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In „Das Faustspiel“ von Matthias Hahn unter der Regie von Daniela Snijders, prallt künstlerisch abgehobenes Regietheater auf erzkonservative Kulturpolitik in der Provinz. Für ersteres steht Regisseur Z., der mit seinem „Experimentellen Experimentier-Theater“ das Bürgertum provozieren will. Massenszenen wie die Walpurgisnacht und die Engels-Chöre sollen auf den psychologischen Gehalt des Stücks reduziert werden: Sinn und Wahnsinn im Menschenbild Goethes. Der Text besteht aus Sphärenklängen und das Bühnenbild richtet sich, wie die Kostümierung, nach den Prinzipien der „Minimal Art“. Doch seine Pläne stoßen nicht nur bei der städtischen Kulturreferentin, die sich eine klassisch-traditionelle und – was Dekoration und Kostüme betrifft – opulente Aufführung wünscht, auf Ablehnung. Bevor der Streit eskaliert, wird die Idee einer „Faust-Collage“ geboren: Jeder, der will, darf eine Szene seiner Wahl inszenieren. Das Ergebnis sind vier verschiedene Ansätze, Goethes „Faust“ zu inszenieren.
Das „Theater im Theater“ ist jedoch nur ein Handlungsstrang im „Faustspiel“. Spurlos verschwundene Menschen und eine Irrenanstalt, deren Insassen und Pfleger sich plötzlich auf der Bühne wiederfinden, sorgen für zusätzliche Verwirrung.
In der neuen Inszenierung dreht es sich um nichts geringeres als um Goethes „Faust“. Doch das Drama des deutschen Dichterfürsten wird nicht im Original auf die Bühne gebracht, sondern ist Kern einer Satire auf den modernen Theaterbetrieb – und insofern ein Stück ganz nach dem Repertoire der Wentorfer Bühne, die 2019 ihren 40. Geburtstag feiert.

1979 – 2019